Essstörungen

Essstörungen sind Krankheiten der westlichen Industrieländer. Schon lange nicht mehr erliegen nur Mädchen und Frauen dem Körperkult und Schönheitsidealen, es betrifft auch immer mehr Jungen und Männer.

Laut dem BMI Monitoring Liechtenstein von 2017 sind 16.6% der Kinder- und Jugendlichen in Liechtenstein übergewichtig, davon gelten 3.8% als stark übergewichtig.

Verschiedene Studien belegen:

  • 60% der Mädchen und 40% der Buben zwischen 16 und 20 Jahren sind unzufrieden mit ihrem Gewicht.[1]
  • 60% der Mädchen haben Erfahrungen mit Diäten[2]
  • 77% der Buben wünschen sich mehr Muskeln[2]

 

[1] Keller U, Battaglia Richi E, Beer M, Darioli R, Meyer K, Renggli A, Romer-Luthi C, Stoffel-Kurt N. Sechster Schweizerischer Ernahrungsbericht. Bern: Bundesamt fur Gesundheit, 2012.

[2] Gesundheitsförderung Schweiz und Fachstelle PEP (Hrsg.). (2016). Das Körperbild von Jugendlichen in der Deutschschweiz. Ergebnisse einer Befragung 2015. Bern: Gesundheitförderung Schweiz.

MAGERSUCHT (ANOREXIA NERVOSA)

Erkennungsmerkmale:

  • Angst vor Gewichtszunahme und damit vor dem Essen
  • Auffallender Gewichtsverlust, herbeigeführt durch Diät, Appetitzügler bzw. kalorienarme Kost
  • Vermeidung von gemeinsamen Mahlzeiten und Herausbildung eigenartiger Gewohnheiten im Umgang mit Nahrung
  • Auch schlanke Mädchen „fühlen” sich noch immer „zu dick”
  • Übertriebene Sportaktivitäten
  • Leugnung von Hungergefühl
  • Verdrängen von Gefühlen und Problemen
  • Ausbleiben der Menstruation
  • fehlende Einsicht in Bezug auf das krankhafte Essverhalten
ESS-BRECHSUCHT (BULIMIA NERVOSA)

Erkennungsmerkmale:

  • Heisshungerattacken mit unkontrolliertem Verschlingen von grossen Nahrungsmengen
  • Bewusstes Erbrechen nach dem Essen
  • Angst vor Gewichtszunahme
  • Gewicht liegt oft im Normalbereich, schwankt jedoch
  • Stimmungsschwankungen und depressive Grundstimmung
  • Fehlende Einsicht in Bezug auf das krankhafte Essverhalten
ESSSUCHT OHNE ERBRECHEN (BINGE EATING DISORDER)

Erkennungsmerkmale:

  • Unkontrollierte wiederkehrende Heisshungeranfälle
  • Verzehr grösserer Nahrungsmengen
  • Kontrollverlust

Die unterschiedlichen Formen der Essstörung sind oft nicht exakt voneinander abgrenzbar. Die Heisshungeranfälle werden mit folgenden Merkmalen verbunden:

  • Schnelles Essen
  • Es wird solange gegessen, bis ein unangenehmes Völlegefühl erreicht ist
  • Essen ohne körperliches Hungergefühl
  • Aus Schamgefühl wird alleine gegessen
  • Nach dem Heisshungeranfall treten Gefühle wie Depression, Ekel und Schuld auf
URSACHEN VON ESSSTÖRUNGEN

Die Ursachen von Essstörungen sind auf verschiedenen Ebenen zu finden und nicht klar voneinander zu trennen:

  • Mangelndes Selbstwertgefühl
  • Umbruchsituation (Pubertät, Ablösung vom Elternhaus, Ablösung von der Mutter)
  • Schönheitsideale
  • Permanentes Ausweichen vor Konflikten im Elternhaus
  • „Aussehen” als Ausdruck der Persönlichkeit
  • Defizit im Umgang mit Gefühlen wie Lust, Angst, Frust, Liebe etc.
  • Starre Geschlechterrollen („Das tut ein Mädchen/Junge nicht!”)
  • Wenig Anerkennung und Aufmerksamkeit durch die Mitwelt
  • Abwertung weiblichen/männlichen Verhaltens
  • Gefühle werden von anderen nicht wahrgenommen
  • Grenzüberschreitung durch Dritte (sexueller Missbrauch und Gewalt)
  • Ungleichstellung von Mädchen und Jungen, Frauen und Männern
  • Übertriebene und überholte Rollenzuschreibung
DAS KÖNNEN SIE FÜR IHR KIND TUN:
  • Vermitteln Sie Ihrem Kind ein positives Körperbild.
  • Hinterfragen Sie die Schönheitsideale, die die Medienwelt vermittelt.
  • Sorgen Sie für gesunde und regelmässige Ernährung.
  • Leben Sie Genuss vor: Zeigen Sie Ihrem Kind die positiven Seiten der Nahrungsaufnahme und kochen Sie miteinander.
  • Nutzen Sie das gemeinsame Essen als Kommunikationsmöglichkeit.
  • Nehmen Sie die Gefühle Ihrer Tochter/Ihres Sohnes ernst.
  • Geben Sie Platz für räumliche, zeitliche und persönliche Grenzen: Schaffen Sie Möglichkeiten zum Rückzug. Geben Sie Ihrem Kind die Möglichkeit, die Nähe bzw. Distanz zu Ihnen selbst zu bestimmen. Mädchen und Jungen sollten beispielsweise das Recht haben, das Bad ungestört benützen zu können.
  • Sorgen Sie dafür, dass Konflikte offen gelegt und ausgetragen werden. Bemühen Sie sich, eine konstruktive Streitkultur zu entwickeln.
  • Lassen Sie Rollenvielfalt zu (z.B. Mädchen werden Schreinerinnen).
  • Messen Sie Ihre Tochter/Ihren Sohn nicht nur an Äusserlichkeiten. Zeigen Sie, dass Sie Ihr Kind mit all seinen Fähigkeiten, aber auch mit all seinen Schwächen, lieben.
  • Wenn Sie sich Sorgen machen, dass Ihr Kind zu dick oder zu dünn sein könnte, lassen Sie dies von einem Arzt abklären