Essstörungen

Essstörungen sind Krankheiten der westlichen Industrieländer. Schon lange nicht mehr erliegen nur Mädchen und Frauen dem Körperkult und Schönheitsidealen: Jeder zehnte Betroffene ist bereits männlich.

Laut Ernährungsbericht 2000 sind 20% der Kinder und Jugendlichen übergewichtig und ca. 5% adipös. Verschiedene Studien belegen:

  • 50.7 % der Mädchen und 15.2% der Jungen geben an, bereits einmal eine Diät gemacht zu haben.
  • 12.7 % der Mädchen berichten, dass sie absichtlich erbrochen haben, um Gewicht zu reduzieren oder zu halten!
  • 16.7 % der Mädchen stellen sich täglich auf die Waage, um ihr Gewicht zu kontrollieren!
  • 43% der Mädchen, aber nur 6.5 % der Jungen haben Angst vor Gewichtszunahme!
  • 5.4 % der Mädchen und 2.9 % der Jungen waren oder sind in Therapie bzw. Beratung wegen einer Essstörung!
MAGERSUCHT (ANOREXIA NERVOSA)

Erkennungsmerkmale:

  • Angst vor Gewichtszunahme und damit vor dem Essen
  • Auffallender Gewichtsverlust, herbeigeführt durch Diät, Appetitzügler bzw. kalorienarme Kost
  • Vermeidung von gemeinsamen Mahlzeiten und Herausbildung eigenartiger Gewohnheiten im Umgang mit Nahrung
  • Auch schlanke Mädchen „fühlen” sich noch immer „zu dick”
  • Übertriebene Sportaktivitäten
  • Leugnung von Hungergefühl
  • Verdrängen von Gefühlen und Problemen
  • Ausbleiben der Menstruation
  • fehlende Einsicht in Bezug auf das krankhafte Essverhalten
ESS-BRECHSUCHT (BULIMIA NERVOSA)

Erkennungsmerkmale:

  • Heisshungerattacken mit unkontrolliertem Verschlingen von grossen Nahrungsmengen
  • Bewusstes Erbrechen nach dem Essen
  • Angst vor Gewichtszunahme
  • Gewicht liegt eigentlich im Normalbereich, schwankt jedoch
  • Stimmungsschwankungen und depressive Grundstimmung
  • Fehlende Einsicht in Bezug auf das krankhafte Essverhalten
ESSSUCHT OHNE ERBRECHEN (BINGE EATING DISORDER)

Erkennungsmerkmale:

  • Unkontrollierte wiederkehrende Heisshungeranfälle
  • Verzehr grösserer Nahrungsmengen
  • Kontrollverlust

Die unterschiedlichen Formen der Essstörung sind oft nicht exakt voneinander abgrenzbar. Die Heisshungeranfälle werden mit folgenden Merkmalen verbunden:

  • Schnelles Essen
  • Es wird solange gegessen, bis ein unangenehmes Völlegefühl erreicht ist
  • Essen ohne körperliches Hungergefühl
  • Aus Schamgefühl wird alleine gegessen
  • Nach dem Heisshungeranfall treten Gefühle wie Depression, Ekel und Schuld auf
URSACHEN VON ESSSTÖRUNGEN

Die Ursachen von Essstörungen sind auf verschiedenen Ebenen zu finden und nicht klar voneinander zu trennen:

  • Mangelndes Selbstwertgefühl
  • Umbruchsituation (Pubertät, Ablösung vom Elternhaus, Ablösung von der Mutter)
  • Schönheitsideale
  • Permanentes Ausweichen vor Konflikten im Elternhaus
  • „Aussehen” als Ausdruck der Persönlichkeit
  • Defizit im Umgang mit Gefühlen wie Lust, Angst, Frust, Liebe etc.
  • Starre Geschlechterrollen („Das tut ein Mädchen/Junge nicht!”)
  • Wenig Anerkennung und Aufmerksamkeit durch die Mitwelt
  • Abwertung weiblichen/männlichen Verhaltens
  • Gefühle werden von anderen nicht wahrgenommen
  • Grenzüberschreitung durch Dritte (sexueller Missbrauch und Gewalt)
  • Ungleichstellung von Mädchen und Jungen, Frauen und Männern
  • Übertriebene und überholte Rollenzuschreibung
DAS KÖNNEN SIE FÜR IHR KIND TUN:
  • Vermitteln Sie Ihrem Kind ein positives Körperbild.
  • Hinterfragen Sie die Schönheitsideale, die die Medienwelt vermittelt.
  • Sorgen Sie für gesunde und regelmässige Ernährung.
  • Leben Sie Genuss vor: Zeigen Sie Ihrem Kind die positiven Seiten der Nahrungsaufnahme und kochen Sie miteinander.
  • Nutzen Sie das gemeinsame Essen als Kommunikationsmöglichkeit.
  • Nehmen Sie die Gefühle Ihrer Tochter/Ihres Sohnes ernst.
  • Geben sie Platz für räumliche, zeitliche und persönliche Grenzen: Schaffen Sie Möglichkeiten zum Rückzug. Geben Sie Ihrem Kind die Möglichkeit, die Nähe bzw. Distanz zu Ihnen selbst zu bestimmen. Mädchen und Jungen entdecken ab dem zwölften Lebensjahr ihren Körper und sollten daher beispielsweise das Recht haben, das Bad ungestört benützen zu können.
  • Sorgen Sie dafür, dass Konflikte offen gelegt und ausgetragen werden. Bemühen Sie sich, Streitkultur zu entwickeln.
  • Lassen Sie Rollenvielfalt zu (z.B. Mädchen werden Schreinerinnen).
  • Messen Sie Ihre Tochter/Ihren Sohn nicht nur an Äusserlichkeiten. Zeigen Sie, dass Sie Ihr Kind mit all seinen Fähigkeiten, aber auch mit all seinen Schwächen, lieben.
  • Wenn Sie sich Sorgen machen, dass Ihr Kind zu dick oder zu dünn sein könnte, lassen Sie dies von einem Arzt abklären